/Unvergessliche Stunden im Bergwerk Prosper Haniel

Unvergessliche Stunden im Bergwerk Prosper Haniel

2018-08-03T12:28:50+00:00

Das Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop ist seit der Schließung der Zeche Auguste Victoria am 18. Dezember 2015 das letzte aktive Steinkohlen-Bergwerk im Ruhrgebiet. Das Bergwerk soll im September 2018 geschlossen werden und daher haben wir gerne eine Einladung der RAG über meine Freund Herrn Markus Brust , Fa. WIR Consult , der auch im Beirat der Michel Herbelin GmbH ist,  angenommen..Was folgte waren für mich unvergessliche Stunden.

Das aktive Bergwerk wird mit toller Motivation und hoher Proffessionalität bis zum Schluss betrieben, täglich wird 4000 Tonnen Kohle produziert! Wir waren auf 1.200 M Teufe wo ein sehr großer Flöß auf 360 m Länge und bis zu einer Mächtigkeit von 3,80m noch abgebaut wird. Für Laien: Man hat unter Tage die Firma zu dem Produkt gebaut.

Ich bedanke mich für einen erlebnisreichen Tag und auch nochmal meinen Dank an das Team der RAG  für die unvergesslichen Stunden in dem Bergwerk…!

Glück auf!
Egbert Klapper

 

Wussten Sie…?
Das Abteufen des Schachtes 1 begann im August 1856 und 1860 wurde in 175,9 m Teufe das Steinkohlengebirge erreicht. Die Förderung begann 1863 mit 315 Arbeitskräften. Der Schacht war mit einem durchgängigen Wetterscheider versehen; die eine Seite diente der Zuführung frischer Wetter und auf der anderen Seite wurden die Abwetter abgezogen. 1863 wurde auf dem Gelände von Prosper 1 auch die erste Kokerei errichtet.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung zu Beginn der 1870er Jahre wurde auf dem Gelände Prosper II mit dem Abteufen des Schachtes 2 begonnen, der den noch erhaltenen Malakowturm als Förderturm erhielt. Die Förderung aus diesem Schacht begann 1875 und 1877 folgte der Durchschlag nach Prosper I. (Die römischen Zahlen geben die Nummerierung des Standortes und die arabische Ziffer die Nummer des Schachtes wieder.) Bereits 1890 wurde eine Förderung von 1 Million Tonnen Kohle erzielt. Es folgte das Abteufen von Schacht 3 auf Prosper II, Schacht 4 auf Prosper II (1893) und Schacht 5 auf Prosper I. Die Zechen hatten einen erheblichen Arbeitskräftebedarf; die Einwohnerzahl von Bottrop erhöhte sich rasant, viele polnische Bergarbeiter siedelten sich an und arbeiteten auf den Prosper-Zechen. Zwischen 1900 und 1910 verdoppelte sich die Einwohnerzahl nahezu (von 24768 auf 47131). 1906 wurde eine Jahresförderung von 1,6 Millionen Tonnen Kohle erreicht. Es folgte die Errichtung der Schachtanlage Prosper III mit den Schächten 6 (1908) und 7 (1911).

Das Grubenfeld Prosper wurde 1901 geteilt und im nördlichen Bereich entstand die Zeche Arenberg-Fortsetzung; die Förderung begann dort 1912. Beide Zechen zusammen erreichten 1913 eine Jahresförderung von 2,78 Millionen Tonnen. Im Jahre 1914 wurde der Prosper-Hafen am Rhein-Herne-Kanal angelegt und eine Ringbahn zwischen den Zechenstandorten gebaut, so dass ein günstiger Transport der geförderten Kohlen gewährleistet war. 1917 folgte das Abteufen des Schachtes 8 auf Prosper II, der ab 1921 als Förderschacht genutzt wurde. Der höchste Belegschaftsstand wurde 1922 mit 15.000 Arbeitern und Angestellten erreicht.

Nach dem Ersten Weltkrieg folgte ein erheblicher Produktivitätszuwachs durch die Einführung des mit Druckluft angetriebenen Abbauhammers und den Einsatz von eisernen Grubenstempeln. Die elektrische Grubenlampe ersetzte das Benzingeleucht und beim Transport der Kohle wurden die Grubenpferde durch maschinelle Fördereinrichtungen (z. B. Förderbänder) abgelöst.

Schachtanlage Franz-Haniel
Im östlichen Grubenfeld begannen 1921 die Abteufarbeiten im Feld Franz Haniel. Wegen starker Wassereinbrüche wurden die Schächte Franz Haniel 1 und 2 mit dem Gefrierverfahren angelegt. Die Endteufen wurden 1923 erreicht (Schacht 1 bei 458 m, Schacht 2 bei 556 m). Am 25. September 1925 ereignete sich nach dem Ziehen der Gefrierrohre aus Schacht 2 in einer Teufe von 75 m ein plötzlicher Wasser- und Schwemmsandeinbruch, der den Schacht bis zur 1. Sohle ausfüllte. Auch die vorher aufgefahrene Verbindungsstrecke zur Zeche Jacobi soff teilweise ab. Im weiteren Verlauf brach das Schachtgerüst zusammen und verschwand im Schacht. Die Wiederaufwältigung des Schachtes wurde erst 1936 in Angriff genommen; 1941 wurde die vorgesehene Teufe bei 600 m erreicht.

Nordwanderung
In den folgenden Jahren wurde ein sehr umfassender Zusammenfassungsprozess durchgeführt, welcher die Nordwanderung des Steinkohlenbergbaus an der Ruhr besonders veranschaulicht.

1975 wurde die Schachtanlage Prosper I, die nur noch zu Wetter- und Wasserhaltungszwecken diente, abgeworfen und verfüllt. Gleichzeitig wurde der mit einer kleinen Haspeleinrichtung versehene Schacht Arenberg 1 mit einem neuen Fördergerüst ausgestattet, um als Seilfahrtschacht für das Ostfeld zu dienen. Gleichzeitig wurde Schacht Arenberg 2 verfüllt und abgeworfen.

Die ehemaligen Förderschächte Jacobi 1/2 wurden bis 1976 noch als Seilfahrtanlage betrieben, um dann bis Ende 1977 noch zur Bewetterung zu dienen. Danach wurden auch diese Schächte verfüllt. 1979 wurden die beiden Fördergerüste mit Baggern umgezogen, da sie wegen der weiterproduzierenden Kokerei in unmittelbarer Nachbarschaft nicht gesprengt werden durften.

1976 wurde in der Kirchheller Heide der Aufschluss des neuen Nordfeldes im Grubenfeldbesitz Nordlicht begonnen. Bis 1981 wurde hier der Schacht Prosper 10 (Prosper V) niedergebracht, welcher als neue Seilfahrt- und Materialschachtanlage in Betrieb ging. Nach dessen Fertigstellung wurden die nicht mehr benötigten Schächte Prosper 3 (Anlage Prosper II), Möller 5 und Arenberg 1 abgeworfen und verfüllt.

1982 wurde beschlossen, die Koksöfen zu erneuern. Dieses Vorhaben wurde bis 1987 durchgeführt. Die Kokerei verfügt über 146 Großraumöfen und erzeugt jährlich 2 Mio t Koks. Im Juni 2011 hat der Stahlkonzern ArcelorMittal die Kokerei von der Deutschen Steinkohle AG übernommen.

Mit zunehmender Nordwanderung der Abbaufelder wurde die Schachtförderung über die beiden Förderschächte Prosper 6 und 8 immer unrentabler. Daher wurde ab 1985 der Förderberg Prosper aufgefahren. Es handelt sich hierbei um einen 3200 m langen Schrägschacht mit Bandförderung, welcher unter der Schachtanlage Franz Haniel 1/2 seinen untertägigen Beginn nimmt, und auf der Schachtanlage Prosper II zutage tritt.

Nach dessen Indienststellung 1987 wurden die Schachtanlagen Prosper II und III abgeworfen und verfüllt. Prosper III wurde komplett abgeräumt, auf Prosper II blieb die Förderanlage Schacht 2 als Industriedenkmal komplett erhalten. Die Fördermaschine Schacht 2 kam auf dem Schacht Voerde des Bergwerks Walsum zum Einsatz.

1987 war die Schachtanlage Franz Haniel 1/2 ein Ziel der zweiten Deutschlandreise von Papst Johannes Paul II., wo er auch die im Bergbau drohende Arbeitslosigkeit und die gerechte Verteilung der Arbeit zur Sprache brachte.

1990 erfolgte die Stilllegung des Kraftwerkes Franz Haniel 1/2.

Das Bergwerk Prosper-Haniel ging 1998 in den Besitz der Deutsche Steinkohle AG (DSK) über. 2002 wurde über Schacht Franz Haniel 1 das Schachtgerüst abgebrochen und durch eine Befahrungseinrichtung ersetzt. Der Schacht ist noch immer offen und dient vorwiegend der Wetterführung.

Am 27. Mai 2011 wurde durch den Oberbürgermeister der Stadt Bottrop, Bernd Tischler, die 7. Sohle in einer Teufe von 1159 Metern feierlich eröffnet. Die Planung für das über 100 Millionen Euro teure Projekt begann 1995. Hier lagern noch über 100 Millionen Tonnen Kohlereserven, die erstmals im Jahre 2014 gefördert wurden.

Das Bergwerk Prosper-Haniel umfasst heute die Schächte Prosper 4, Prosper 5, Franz Haniel 1, Franz Haniel 2, den Schacht Hünxe der Zeche Lohberg sowie den Förderberg. Ferner ist die Zentralkokerei in Betrieb, die aber organisatorisch selbstständig ist und nicht zum Bergwerk gehört.

Die Jahresproduktion um 2005 lag bei 4,00 Mio t Förderung und 2 Mio t Kokserzeugung. Es wurden 4100 Mitarbeiter beschäftigt. Aus Abraum des Bergwerks entsteht die Halde Schöttelheide.

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